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Drei Naturwissenschaften auf einmal

Sonja Kirsch im Labor
FAU/Luisa Macharowsky

Integrated Life Sciences an der FAU studieren (Artikel aus dem Alexander Nr. 109)

Drei Fächer kombiniert in einem? Gibts nicht? Doch! Integrated Life Sciences. An der FAU kann man dieses in Deutschland einzigartige Fach studieren.

Die Biologie des 21. Jahrhunderts beschäftigt sich unter anderem mit der Kommunikation zwischen Zellen, der Schaffung maßgeschneiderter Zellen oder der Diagnostik von Krebs anhand der Analyse der mechanischen Zelleigenschaften.

Dafür sind neben der Biologie und der Molekularbiologie auch fundierte Kenntnisse der Mathematik und Physik erforderlich“, erklärt einer der Koordinatoren des Studiengangs Integrated Life Sciences (ILS),Prof. Dr. Rainer Böckmann. Den interdisziplinären Studiengang ILS gibt es seit neun Jahren an der FAU. Er besteht aus einem deutschsprachigen Bachelor- und einem darauf aufbauenden englischsprachigen Masterprogramm. Die Studierenden lernen dort anhand aktueller lebenswissenschaftlicher Forschungsprojekte mathematische und physikalische Methoden. Sie beschäftigen sich beispielsweise damit, wie sie große Datenmengen erheben und mit Hilfe von mathematischen Modellen beschreiben können. „Ein besonderes Merkmal des ILS-Bachelorstudiums sind Kurse, die von Dozenten unterschiedlicher Fachrichtungen gemeinsam gelehrt werden: Ein Biologe und ein Physiker erläutern dann beispielsweise zusammen zum einen die Anwendung mikroskopischer Verfahren auf pflanzliche oder tierische Zellen, zum anderen den Aufbau und die Funktionsweise moderner Kameras oder Mikroskope“, erläutert Böckmann.

 

Mathe, Bio und Physik

Sonja Kirsch ist Promotionsstudentin und hatte schon immer großes Interesse an den Naturwissenschaften: „Bereits in der Schule mochte ich besonders Mathe und Physik. In der Oberstufe hatte ich dann auch vermehrt Biologie und habe mich immer mehr dafür interessiert.“ Als sie sich zunächst über den Studiengang Biologie auf der FAU-Webseite informiert hatte, stieß sie dabei auf den Studiengang ILS: „Das hat gepasst wie die Faust aufs Auge, ich musste gar nicht weitersuchen. In Deutschland gibt es ohnehin keinen zweiten Studiengang dieser Art, da hätte ich schon nach Princeton oder Harvard gemusst.“

 

Das I steht auch für Interdisziplinär

Im Studium spielt die Verbindung der drei Hauptfächer eine wichtige Rolle. „Studienanfängersollten nicht nur an Biologie interessiert sein, da Mathe und Physik genauso viel Gewicht im Studium haben. Aber dankgenau dieser Interdisziplinarität und den Veranstaltungen aus unterschiedlichen Fachgebieten wird es nie langweilig“, sagt Kirsch.

Zudem führen die Studierenden bereits während des Studiums Experimente durch: Sie simulieren Molekülbewegungen, um die Funktion von Proteinen aufzuklären, nutzen Mikroskopiemethoden, lösen Proteinstrukturen auf oder analysieren Genomsequenzen mit bioinformatischen Methoden. Außerdem können die Studierenden bereits im Bachelor bei Miniforschungsprojekten mitwirken, die sich mit aktuellen wissenschaftlichen Fragen beschäftigen. Diese

Fragen können sie dann in ihren Abschlussarbeiten aufgreifen. „Ich hatte ein strukturbiologisches Thema in meiner Bachelorarbeit. Dort habe ich mich mit den Proteinen, die die Membranfusion bei Zellverschmelzungen unterstützen, auseinandergesetzt. Meine Arbeit wurde dann sogar in Teilen publiziert“, erläutert Kirsch. Dem Studiengang – und hier vor allem der computergestützten Biophysik – ist Kirsch treu geblieben: Bereits direkt nach dem Bachelor wurde sie in ein Doktorandenprogramm aufgenommen. „Das Studium hat mich perfekt auf das Promovieren vorbereitet.

Ich habe gelernt, wie ich mit großen Datenmengen umgehen kann und wendete das in der Doktorarbeit gleich an“, sagt die Promotionsstudentin. Sie plant, die Arbeit Ende des Jahres abzugeben.

 

Und nach dem Abschluss?

„ILS-Absolventen sind sehr breit aufgestellt: Sie sprechen die Sprache der Mathematiker,der Physiker und der Biologen. Sie haben gelernt zu programmieren, Daten statistisch auszuwerten sowie zell- und molekularbiologische Arbeitstechniken anzuwenden. Das Studium bereitet damit auf eine spätere Arbeitim Bereich der Forschung und Entwicklung vor“, erklärt Böckmann. Die Absolventen können also zum einen eine Karriere in der Forschung an Universitäten anstreben, zum anderen aufgrund ihrer interdisziplinären Ausbildung aber auch in der Industrie wie etwa bei Pharmaunternehmen, klinischen Einrichtungen oder Prüflaboren, der Medizintechnik oder in der Beratung tätig werden. „Was ich nach der Promotion mache, weiß ich noch nicht genau“, erklärt Kirsch, „Entweder schlage ich den Weg zur Professur ein und bleibe in der Wissenschaft oder ich gehe in die Wirtschaft. Das muss ich aber noch entscheiden. Erstmal geht die Dissertation vor.“